Mit der Veranstaltung „Markomannenkriege“ wurde am 8. August 2026 in Mušov ein innovatives Veranstaltungsformat erprobt, das archäologische Fundstätten, wissenschaftliche Expertise und Living History zu einem ganzheitlichen Besuchserlebnis verbindet.
Am 8. August 2026 fand im Besucher_innenzentrum Mušov – Tor zum Römischen Reich sowie an der archäologischen Fundstätte Hradisko bei Mušov die ganztägige historische Veranstaltung „Markomannenkriege“ statt. Die Veranstaltung wurde im Rahmen des Interreg-Projekts Roman Trails als Pilotaktivität durchgeführt, um ein attraktives Besucher_innenformat zu erproben, das einen authentischen archäologischen Fundort, die fachkundige Vermittlung des römischen Kulturerbes, Living History sowie interaktive Angebote für unterschiedliche Zielgruppen miteinander verbindet.
Ziel der Pilotaktivität war es, die Öffentlichkeit mit der Zeit der Markomannenkriege vertraut zu machen und zugleich die Bedeutung des Hradisko bei Mušov als einer der wichtigsten Stätten der römischen Militärpräsenz nördlich der Donau hervorzuheben. Darüber hinaus wurden die Beziehungen und Konflikte zwischen der römischen und der germanischen Welt thematisiert und lokale archäologische Funde im weiteren historischen und geografischen Kontext des römischen Grenzraums eingeordnet.
Im Laufe des Tages konnten die Besucher_innen römische und germanische Lager erkunden, in denen die Reenactment-Gruppen Pannonia, Projekt Marobudum und Bacrie Einblicke in den Alltag der damaligen Zeit gaben. Präsentiert wurden Kleidung, Handwerk, Nahrungszubereitung, Waffen, militärische Ausrüstung sowie Aspekte der römischen Medizin. Ein weiterer Programmpunkt war eine Vorführung römischer Reiterei durch die Gruppe Štvanci.
Ein zentrales Element der Pilotaktivität war die aktive Einbindung des Publikums. Familien mit Kindern hatten beispielsweise die Möglichkeit, den Umgang mit sicheren Schwertern und Schilden selbst auszuprobieren oder eigene Wachssiegel herzustellen. Durch diese praktischen Mitmachangebote konnten die Besucher_innen auf anschauliche und unterhaltsame Weise mehr über das Leben in der Römerzeit erfahren.
Zu den Höhepunkten des Programms zählte ein gemeinsamer Marsch mit einer römischen Militäreinheit vom Besucher_innenzentrum zum Hradisko. Dieser gemeinsame Weg verband das Besucher_innenzentrum unmittelbar mit der authentischen archäologischen Fundstätte und ermöglichte es den Teilnehmenden, historische Ereignisse in jener Landschaft nachzuvollziehen, in der die römische Armee tatsächlich operierte. Am Hradisko folgte die kommentierte Vorführung „Der Hinterhalt von Hradisko“, bei der eine Kampfsituation zwischen römischen Soldaten und germanischen Kriegern nachgestellt wurde. Fachliche Erläuterungen ordneten die Szene historisch ein und verdeutlichten den Unterschied zwischen archäologisch belegten Erkenntnissen und den interpretativen beziehungsweise dramaturgischen Elementen der Darstellung.
Die historischen Vorführungen waren eng mit einem fachlichen Vermittlungsprogramm verknüpft. Im Rahmen einer Führung mit dem Archäologen Marek Vlach erhielten die Besucher_innen Einblicke in die Ergebnisse archäologischer Forschungen sowie in die Bedeutung des Fundortes während der Markomannenkriege. Ergänzt wurde das Programm durch den Vortrag „Archäologie der Markomannenkriege“ von Balázs Komoróczy, der sich mit den archäologischen Zeugnissen römischer Militäraktivitäten und den Kontakten zwischen Römern und Germanen in Mitteleuropa befasste.
Die Kommunikationsmaßnahmen richteten sich nicht nur an archäologisch und historisch interessierte Personen, sondern ebenso an Familien mit Kindern, die lokale Bevölkerung sowie Gäste der Region Südmähren. Die Veranstaltung bot die Möglichkeit, das römische Kulturerbe durch die Verbindung fachlicher Informationen, authentischer Schauplätze, anschaulicher Rekonstruktionen und persönlicher Erfahrungen zu entdecken.
Im Rahmen der Pilotaktivität wurden die Möglichkeiten erprobt, das Besucher_innenzentrum mit der nahegelegenen archäologischen Fundstätte zu verknüpfen und verschiedene Vermittlungsformate innerhalb eines Programms zu kombinieren. Dazu gehörten Living History, fachliche Interpretation, geführte Rundgänge, Vorträge sowie interaktive Mitmachangebote. Dieser Ansatz ermöglicht eine zielgruppengerechte und leicht zugängliche Vermittlung archäologischen Erbes und gewährleistet gleichzeitig ein hohes fachliches Niveau.
Das getestete Veranstaltungsformat kann künftig weiterentwickelt und auf andere Standorte des Projekts Roman Trails übertragen werden. Insbesondere der gemeinsame Weg durch die Landschaft, die Verknüpfung historischer Erzählungen mit authentischen Orten sowie die Kombination von Living History und archäologischer Vermittlung stellen übertragbare Instrumente dar, um das gemeinsame römische Kulturerbe zu vermitteln und attraktive sowie nachhaltige touristische Angebote zu entwickeln.
Vermittlung an die Öffentlichkeit
Das Archäologische Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften, Brünn nutzt auch das Besucher_innenzentrum Mušov – Brána do Římské říše, das es selbst betreibt, zur Kommunikation über das Projekt.
Die Website des Besucher_innenzentrums lautet www.branadorimskerise.cz, die Kontaktadresse ist branadorimskerise@arub.cz.
📷 Institute of Archaeology of the Czech Academy of Sciences, Brno
